Worum geht’s?
Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat das Siemens-Werk in Nanjing in China als Digital Native Factory in sein Global Lighthouse Network aufgenommen. Damit besitzt Siemens nun fünf Produktionsstätten mit dieser Auszeichnung – neben Nanjing sind dies die deutschen Standorte Amberg, Erlangen und Fürth sowie Chengdu in China. Das WEF würdigt mit dem seit 2018 vergebenen Titel Spitzenleistungen in Produktivität, Lieferkettenresilienz, Kundenorientierung, Nachhaltigkeit und Personalentwicklung.
Hintergrund & Einordnung
Das Werk in Nanjing wurde vollständig nach einem Digital-First-Prinzip konzipiert. Bereits vor Baubeginn hatten Ingenieure die gesamte Fabrik samt aller Prozesse virtuell entworfen, getestet und optimiert. Dieser Ansatz ermöglichte trotz der Herausforderungen während der Pandemie eine schnelle und kostengünstige Realisierung. Heute fungiert die Anlage als größtes Forschungs- und Produktionszentrum für CNC-Systeme, Antriebe und Elektromotoren von Siemens außerhalb Deutschlands.
Die Fabrik existiert parallel in zwei Welten: als physische Produktionsstätte und als exakter digitaler Zwilling in der virtuellen Realität. Dieser Digital Twin ermöglicht kontinuierliche Optimierungen und Simulationen. Der Standort setzt über 50 verschiedene KI-Anwendungen ein, nutzt durchgängige digitale Zwillinge und arbeitet mit modularer Automatisierung sowie Manufacturing-Operations-Management-Systemen. Diese Digital-Excellence-Strategie ist eine Antwort auf veränderte Kundenanforderungen: Individuelle Produkte in Kleinserien müssen heute in zehn statt früher 45 Tagen geliefert werden. Alle vier Wochen werden die Produktionslinien komplett neu konfiguriert.
Die messbaren Ergebnisse seit 2022 sind beeindruckend: Die Durchlaufzeiten sanken um 78 Prozent, die Markteinführung neuer Produkte beschleunigte sich um 33 Prozent. Die Produktivität stieg bis 2024 um 14 Prozent, während Ausfälle im Feld um 46 Prozent zurückgingen. Gleichzeitig wurden die CO2-Emissionen um 28 Prozent reduziert. Für Siemens demonstriert Nanjing, wie die Verschmelzung der realen mit der digitalen Welt industrielle Transformation vorantreiben kann.
Was bedeutet das für Unternehmen?
- Digital-First-Ansätze ermöglichen effizientere Planung und schnellere Umsetzung von Produktionsstätten, selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen.
- Der Einsatz digitaler Zwillinge und umfassender KI-Anwendungen kann gleichzeitig Durchlaufzeiten drastisch senken und Produktivität steigern.
- Flexible, modular automatisierte Produktionssysteme werden zum Wettbewerbsvorteil, wenn Kunden zunehmend individualisierte Kleinserien mit kurzen Lieferzeiten verlangen.
- Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind keine Gegensätze – intelligente Produktionssysteme können CO2-Emissionen signifikant reduzieren.
- Investitionen in digitale Exzellenz zahlen sich messbar aus und schaffen Grundlagen für langfristige Wettbewerbsfähigkeit in dynamischen Märkten.
Quelle
Siemens – Deutschlands einziger KI- und Digitalisierungs-Leuchtturm? (Computerwoche, 2026-01-22)
